Hunger in einer Welt voller Überfluss

© Brot für alle

Fast 1'000'000'000 Menschen leiden heute an Hunger. Dies, obwohl das Recht auf Nahrung eines der zentralen Menschenrechte ist. Ohne angemessene Ernährung ist die menschliche Existenz nicht möglich. Mit der ökumenischen Kampagne weisen Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein auf die Zusammenhänge zwischen verschiedenen globalen Problemen und dem Recht auf Nahrung hin.

Das Recht auf Nahrung ist „das Recht jeden Mannes, jeder Frau und jedes Kindes, allein und in Gemeinschaft mit anderen jederzeit und in Würde physischen und wirtschaftlichen Zugang zu angemessener Nahrung oder den Mitteln zu ihrer Erlangung zu haben“ (Uno-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte). Festgehalten ist das Recht in Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowie im Uno-Pakt für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, der von 160 Staaten unterzeichnet wurde. 

Damit verpflichten sich die Staaten

  • Das Recht auf Nahrung zu achten, indem sie Massnahmen unterlassen, welche dazu führen, dass Menschen sich nicht mehr selbst ernähren können (z.B. Vertreibungen von Bauernfamilien)
  • Das Recht auf Nahrung zu schützen, indem sie verhindern, dass Dritte den vorhandenen Zugang zu Nahrung stören (z.B. durch den Schutz von Kleinbauern vor „Land Grabbing“ durch internationale Firmen)
  • Das Recht auf Nahrung zu gewährleisten, indem sie besonders verletzbare Gruppen identifizieren und Massnahmen treffen, die den Zugang zu Nahrung sicherstellen (z.B. durch Landreformen, damit auch Landlose Boden erhalten).

An Nahrungsmitteln fehlt es nicht

Wir können auf der Erde heute genug Nahrungsmittel für alle Menschen produzieren. Hunger leiden die Menschen vor allem dort, wo es an einem funktionierenden Rechtsstaat fehlt, wo Menschen ausgegrenzt werden und ihre Rechte nicht geschützt sind.

Hunger gibt es auch da, wo Regierungen grosse Ackerflächen für den Export von Nahrungsmitteln oder für den Anbau von Agrotreibstoffen an internationale Unternehmen freigeben. Und Hunger gibt es, weil Nahrungsmittel zunehmend als Spekulationsobjekte an der Börse gehandelt werden. So bleibt immer weniger Land für die lokale Nahrungsmittelproduktion übrig.

Auch die Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit, der Verlust der biologischen Vielfalt, die zunehmenden Konflikte um Land- und Wassernutzung, Flutkatastrophe sowie der steigende Fleischkonsum und steigende Öl- und Düngerpreise verschärfen die Hungersituation. Hinzu kommen eine wachsende Weltbevölkerung und klimabedingte Ernteausfälle.

Die Mehrzahl der Hungernden lebt auf dem Land

Die Mehrzahl der Menschen, die an Hunger und Unterernährung leiden, leben auf dem Land. Sie sind oft in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft tätig oder arbeiten zu „Hungerlöhnen“ auf Grossplantagen. Sie sind sozial ausgegrenzt, da sie in geografisch abgelegenen Gebieten mit schlechter Infrastruktur leben.

Viele, insbesondere Frauen und Kinder, haben keinen ausreichenden Zugang zu Land, Wasser und Saatgut. Oftmals wird die Landbevölkerung von der Regierung vernachlässigt und es fehlt ihnen der Zugang zu Märkten, Krediten, Gesundheitsversorgung, Bildung und Kommunikationsmitteln.

Recht auf Nahrung

«Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschliesslich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen…»

Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Die Kampagne zum Recht auf Nahrung

Seit 2008 steht das Recht auf Nahrung im Zentrum der ökumenischen Kampagne. Damit wollen Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein auf die verschiedenen globalen Probleme hinweisen, die einen direkten Einfluss auf die weltweite Ernährungslage haben. Bisherige Kampagnen >

Weitere Informationen

EinBlick 2/2008: Wege aus der Nahrungsmittelkrise

Dieser EinBlick beleuchtet die Ursachen des Hungers in der Welt und zeigt auf, wo, wann und warum das Recht auf Nahrung verletzt wird und was dagegen getan werden kann. Herunterladen (pdf)